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Neue Zellen für kleine Lungen: Interview mit der forschenden Kinderärztin Dr. Maria Forstner

Es ist ein Horrorszenario für frisch gebackene Eltern: Das neugeborene Kind bekommt kaum Luft, die Lunge funktioniert nicht richtig und das Baby, gerade im Leben angekommen, ringt mit dem Tod. Die Diagnose: ANS, Atemnotsyndrom des Neugeborenen, auch Surfactant-Mangelsyndrom genannt. Ein Prozent aller neugeborenen Kinder sind vom Atemnotsyndrom betroffen, besonders hoch liegt der Erkrankungsanteil bei frühgeborenen Babys. Gerade bei Frühchen endet die Erkrankung nicht selten noch immer tödlich.

Die Care-for-Rare Stipendiatin Dr. Maria Forstner hat sich der Erforschung dieser seltenen Erkrankung gewidmet. Immer wieder begegnen ihr kleine Patienten, bei denen das lebenswichtige Organ Lunge nicht richtig funktioniert. Im Zentrum ihrer Forschung steht dabei das „Surfactant“, ein Gemisch aus körpereigenen Fetten und Eiweißen. Es wird in der Lunge produziert, stabilisiert die Lungenbläschen, dient der Entfaltung der Lunge und ist für eine gesunde Atmung unerlässlich. Surfactant wird erst ab der 24. Schwangerschaftswoche vom ungeborenen Kind produziert; bei Frühgeborenen besteht ein mehr oder weniger stark ausgeprägter Mangel an Surfactant, welcher zu massiver Atemnot des Säuglings führen kann. Maria Forstner möchte vor allem verstehen, welche Rolle Genmutationen bei der Entstehung des Atemnotsyndroms spielen. 

Frau Dr. Maria E. Forstner studierte in Würzburg Medizin. Ihr Ausbildungsweg führte sie durch eine Vielzahl internationaler Stationen (Peru, Mexiko, Italien, Kanada, Malawi), bevor sie 2014 in Würzburg promovierte. Im Jahr 2012 kam sie als Assistenzärztin an das Dr. von Haunersche Kinderspital in München, seit 2015 arbeitet sie dort in der Abteilung für Lungenheilkunde.

In diesem Jahr wird Maria Forstner als Stipendiatin der Care-for-Rare Foundation für einen halbjährigen Forschungsaufenthalt an die Columbia University nach New York City gehen. Zeit für intensive Forschung, um die Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen im klinischen Alltag nachhaltig zu verbessern und neuartige Therapieansätze weiter zu entwickeln. Im Gespräch mit der Care-for-Rare Foundation spricht Frau Dr. Forstner über ihre Motivation zur Forschung und ihre aktuelle Arbeit.

 

Care-for-Rare: Was motiviert Sie, sich der Erforschung seltener Erkrankungen zu widmen?

Dr. Forstner: Im klinischen Alltag begegne ich oft Kindern mit seltenen Erkrankungen und ihren Familien, die einen langen Leidensweg hinter sich hatten, bis eine Diagnose gestellt werden konnte. Gerade bei den interstitiellen Lungenerkrankungen ist es zum Teil immer noch nicht möglich, eine exakte Diagnose zu treffen und den Eltern den genauen Hintergrund der Erkrankung zu erklären. Hier in Zukunft einen kleinen Baustein zu liefern und im besten Fall die Fragen der PatientInnen beantworten zu können, motiviert mich, den Erkrankungen im Labor nachzugehen.

Care-for-Rare: Woran forschen Sie zurzeit?

Dr. Forstner: Ich forsche an einer seltenen Lungenerkrankung im Kindesalter, die zu den sogenannten Surfactant-Mangel-Syndromen zählt. Trotz intensiver internationaler Forschung sind hier einige Aspekte ungeklärt und viele der PatientInnen sterben bereits im Neugeborenenalter. Wir haben in unserem Labor Methoden entwickelt, mit denen wir die verschiedenen ursächlichen Gen-Mutationen untersuchen und in Frage kommende Therapeutika testen können. Ein entscheidender Schritt ist die Erzeugung von Lungenzellen aus Körperzellen (induzierte pluripotente Stammzellen). Das Ziel meines Aufenthalts in New York ist es, diese Methode zu erlernen und in München zu etablieren, um die Erkrankung besser zu verstehen und möglichst auch Therapien zu entwickeln, um den kleinen PatientInnen in Zukunft helfen zu können.

Care-for-Rare: Wo werden Ihre Forschungsergebnisse im klinischen Alltag zu finden sein?

Dr. Forstner: Bislang gibt es keine kausale Therapie für diese seltene Lungenerkrankung. Wird eine Familie mit der Diagnose bei ihrem Kind konfrontiert, können wir leider noch keine spezifischen Medikamente anbieten. Viele Kinder sterben oder sind auf eine Lungentransplantation angewiesen. Durch meine Forschung hoffe ich, mögliche Therapeutika identifizieren zu können, die z.B. ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Bessere Erkenntnisse über die Vorgänge in der Lungenentwicklung, die sich aus meiner Arbeit ergeben, können auch wichtige Hinweise auf häufigere pädiatrische Lungenerkrankungen liefern bzw. auch einen Beitrag bei der Betreuung von Frühgeborenen liefern.

Care-for-Rare: Vielen Dank und viel Erfolg in New York! Wir freuen uns, bald von Ihren Erfahrungen berichten zu können.

 

Helfen Sie mit diese Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben!
www.care-for-rare.org/forschungkannhelfen

 

Weitere Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Atemnotsyndrom_des_Neugeborenen

Lydia Tropper

Tel: + 49 89 4400-57972
Fax: +49 89 4400-57702